Die Schlossherren
Neben dem Bauherrn Kurfürst Friedrich II. nutzten auch seine Nachfolger, darunter Ottheinrich und Friedrich IV., das Anwesen für Jagden und höfische Anlässe. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gelangte das Schloss vorübergehend unter österreichische Kontrolle – mit Erzherzog Leopold V. und Claudia von Medici als letzte bedeutende Bewohner.
Ein Fürst der Renaissance und Bauherr aus Leidenschaft
Kurfürst Friedrich der ll.

Im Zentrum der Entstehung des Jagd- und Lustschlosses Friedrichsbühl steht Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz (1482-1556). Geboren auf Burg Winzingen bei Neustadt, war Friedrich eine schillernde Persönlichkeit seiner Zeit. Bevor er 1544 die Kurwürde von seinem Bruder Ludwig V. erbte, hatte er bereits ein bewegtes Leben geführt, unter anderem als Verwalter des Fürstentums Pfalz-Neuburg und als Heerführer im Kampf gegen die Türken. Seine Heirat mit der erst 15-jährigen Dorothea von Dänemark, einer Nichte Kaiser Karls V., im Jahr 1535 verband ihn mit den höchsten Kreisen Europas, auch wenn die erhoffte dänische Königskrone ausblieb.
Friedrich II. war ein typischer Fürst der Renaissance, geprägt von einem ausgeprägten Repräsentationsbedürfnis und einer Leidenschaft für die Baukunst. Sein Biograph Thomas Leodius kritisierte zwar dessen Verschwendungssucht und die enormen Summen, die für Hofhaltung und zahlreiche Neubauten aufgewendet wurden, doch zeugen diese Bauten, darunter der Gläserne Saalbau im Heidelberger Schloss, vom kulturellen Anspruch und dem modernen Kunstverständnis des Kurfürsten. Friedrich II. scheute keine Kosten, um seine Macht und seinen Status sichtbar zu machen.
Der Bau von Friedrichsbühl, inmitten eines seiner bevorzugten Jagdgebiete, reiht sich ein in eine Serie von Schlossbauprojekten, die seine Herrschaft prägten. Auch wenn er die Fertigstellung von Friedrichsbühl aufgrund seines Todes 1556 wohl nicht mehr erlebte, ist es untrennbar mit seinem Namen verbunden.
Der historische Kontext: Jagd, Macht und Glaubenskämpfe
Die Errichtung von Friedrichsbühl fiel in eine politisch und religiös unruhige Zeit. Der Reichstag zu Speyer 1544, auf dem Friedrich anstelle seines Bruders den Kaiser vertrat, stand im Zeichen der drohenden Religionskriege und der Türkengefahr. Friedrich selbst stand reformatorischen Gedanken aufgeschlossen gegenüber, beeinflusst wohl auch von seiner dänischen Gemahlin, führte die Reformation in der Kurpfalz aber erst nach seinem Regierungsantritt offiziell ein.
Die Jagd war für die Fürsten dieser Epoche weit mehr als ein reines Freizeitvergnügen. Sie war ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis, diente der Demonstration von Stärke und Wohlstand und bot Gelegenheit zur Pflege politischer Beziehungen. Jagdschlösser wie Friedrichsbühl waren daher nicht nur funktionale Bauten, sondern auch repräsentative Bühnen für das höfische Leben.
Die Wahl des Standortes für Friedrichsbühl nördlich von Bellheim, an der Grenze zu Oberlustadt und inmitten eines wildreichen Waldes, war strategisch gut gewählt. Allerdings gehörte das Land nicht allein dem Kurfürsten, was Verhandlungen mit den Gemeinden Bellheim, Ober- und Niederlustadt sowie dem Johanniterorden, der in der Region ebenfalls begütert war, notwendig machte. Diese Verhandlungen und die daraus resultierenden Verträge (1553 und 1554) zeigen, dass selbst ein absolutistisch herrschender Fürst an bestehende Gesetze und Besitzverhältnisse gebunden war.

Österreichische Herrschaft
Erzherzog Leopold der 5.
Claudia de’ Medici

In historischen Dokumenten findet sich eine interessante Erwähnung von Claudia von Medici - Erzherzogin von Österreich und Landesfürstin von Tirol. Sie war die Gemahlin von Erzherzog Leopold V., der nach der Eroberung der Kurpfalz im Dreißigjährigen Krieg zeitweise die Herrschaft über das Oberamt Germersheim innehatte. Das Paar hielt sich Ende 1627 bis Anfang 1628 auf Schloss Friedrichsbühl auf. Erzherzogin Claudia ernannte später, nach dem Tod ihres Gatten, Christoph Baumann zum Gärtner von Friedrichsbühl, möglicherweise in Erinnerung an ihren Aufenthalt.
Obwohl Claudia von Medici nicht zu den ursprünglichen Erbauern zählte, ist ihre Anwesenheit und ihr späteres Agieren ein Beleg für die fortdauernde Bedeutung des Schlosses auch unter österreichischer Herrschaft. Die Medici waren als Mäzene der Künste und Förderer der Renaissance-Architektur europaweit bekannt.
Ob Claudias persönlicher Geschmack oder ihre familiäre Prägung direkten Einfluss auf bauliche Maßnahmen in Friedrichsbühl hatten, lässt sich aus den Quellen nicht eindeutig belegen. Jedoch zeigt ihre Verbindung zum Schloss, dass Friedrichsbühl auch im 17. Jahrhundert noch als repräsentativer Ort wahrgenommen und genutzt wurde, der auch Persönlichkeiten mit Verbindungen zu den großen Kunstzentren Europas anzog. Ihre Anwesenheit unterstreicht die überregionale Bedeutung, die Friedrichsbühl zumindest zeitweise besaß, bevor es den Wirren des Krieges zum Opfer fiel.


