Das Schloss

Mehr als nur ein Jagdhaus

Jagdschloss, Lustschloss
und Pfedegestüt

Schloss Friedrichsbühl war primär als Jagd- und Lustschloss konzipiert. Seine Lage inmitten eines der besten Jagdreviere der Kurpfalz prädestinierte es für diesen Zweck. Die Hirschjagdsaison dauerte von Ende Juni bis Ende September, und in dieser Zeit suchten die Pfalzgrafen mehrere Jagdreviere auf, sodass die Bauten oft längere Zeit leer standen. Neben der Unterbringung der Jagdgesellschaft diente das Schloss auch der Repräsentation und der Pflege sozialer sowie politischer Kontakte. Hochgestellte Persönlichkeiten wurden hier empfangen und bewirtet. So war beispielsweise Kaiser Karl V. viermal zu Gast auf dem vergleichbaren Neuschloß, was die Bedeutung solcher Anlagen unterstreicht. Auch Gesandte und Staatsmänner wurden nach Friedrichsbühl geladen, besonders während der Jagdsaison.

Darüber hinaus gehörte zu Friedrichsbühl ein Gestüt, das unter österreichischer Herrschaft erstmals Erwähnung findet. Ob bereits in kurpfälzischer Zeit hier Pferde gezüchtet wurden, ist nicht bekannt. Erzherzog Leopold V. zeigte großes Interesse an den Zuchterfolgen und ließ sich detaillierte Berichte über den Bestand geben. Die Pferde waren für den Hof in Innsbruck bestimmt. Zum Schlosskomplex zählten auch ein Lustgarten sowie diverse Nebengebäude, darunter Wohnungen für den Gärtner und Ställe für die Hundemeute und Pferde. Die Organisation und der Unterhalt einer solch umfangreichen Anlage erforderten eine detaillierte Verwaltung, wie die Bauordnung von 1547 und die Bestallungsurkunde für den Gärtner Hans Hügel von 1609 belegen.

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Aufbau und Architektur

Friedrichsbühl -
ein typischer Renaissancebau

Obwohl kein Stich oder Gemälde das exakte Aussehen von Schloss Friedrichsbühl überliefert, lassen sich aufgrund von Bestandsaufnahmen und Reparaturlisten Rückschlüsse auf seine Architektur ziehen. Es handelte sich um einen dreistöckigen Bau, der inmitten von Wassergräben stand und nur über eine Brücke erreichbar war, ähnlich einer Wasserburg. Die Anlage besaß mindestens zwölf Stuben, zwei Säle und eine Herrenküche. Im Jahr 1623 mussten über 80 Fenster neu verglast werden, was einen Anhaltspunkt für die Gesamtzahl der Fenster gibt.

Die relativ geringe Anzahl der Zimmer und Fenster sowie das Fehlen eines erwähnten Innenhofs deuten darauf hin, dass es sich nicht um eine Vierflügelanlage, sondern eher um einen Einflügelbau handelte, wie er für kleinere Schlossbauten und Lustschlösser der Fürsten in der Renaissance üblich war.

Solche Bauten wiesen oft Türme oder turmartige Aufsätze (Scharwachttürmchen) auf und manchmal zusätzlich einen mittigen Treppenturm. Der Grundriss war typischerweise dreigeteilt: Im Erdgeschoss befand sich die Empfangshalle, darüber im ersten Stock der Festsaal. Die Herrenküche war vermutlich im unteren Geschoss angesiedelt. Die Ausstattung war, wie für Jagdschlösser der Zeit üblich, kostbar und weidmännisch geprägt, mit Gemälden und Tapezereien, die Jagdszenen darstellten. Die Wände waren "a Frisco" bemalt, und Statuen von Faunen und Satyrn zierten Treppen und andere Bereiche. Auch wenn Friedrichsbühl nach den Zerstörungen von 1622/23 wieder instand gesetzt wurde, war es "ohne Hausrat und Mobilien allerdings spoliiert [beraubt]".

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Ein neuer Name für die Ruine

Das Neuhaus

Die Bezeichnung "Neues Haus" für Friedrichsbühl taucht in den Dokumenten im Kontext des frühen 18. Jahrhunderts auf. Explizit wird erwähnt, dass um 1717 Steine vom "„Neuen Haus“, wie Friedrichsbühl jetzt auch hieß", für den Neubau einer Brücke in Lingenfeld verwendet wurden.

Johann Goswin Widder bezeichnete den Platz, an dem das Schloss Friedrichsbühl stand, in seiner "Geographischen Beschreibung der Kur-Pfalz" aus dem Jahr 1786 als "das Neuhaus". Zu diesem Zeitpunkt war das Schloss bereits eine Ruine und der Platz mit Holz bewachsen.

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Eine Oase der Erholung und des Nutzens

Der Lustgarten

Zum Schloss Friedrichsbühl gehörte ein aufwendig gestalteter Lustgarten. Die Gartenkunst hatte in der Renaissance einen hohen Stellenwert und diente sowohl der Erholung als auch der Repräsentation. Die Anlage solcher Gärten hing stark von den örtlichen Gegebenheiten und dem Geschmack des Auftraggebers ab. Sie beinhalteten oft Alleen aus Linden- oder Kastanienbäumen, Kaskaden, Fontänen und Treillagen (beschnittene Hecken). Meist wurde die Umgebung so gewählt, dass sie von Natur aus schon geeignet schien, oft mit Gebüsch, Teichen und Kanälen.

Der Garten von Friedrichsbühl wurde durch die Sollach, einen Seitenarm der Queich, mit Wasser versorgt, was manchmal zu Überschwemmungen führte. Das Wasser diente hauptsächlich zum Gießen der Gartengewächse und speiste die Wassergräben um das Schloss. Ob es eine aufwendige Wasserführung zur künstlerischen Gestaltung gab, ist nicht eindeutig belegt; die 1623 erwähnten Kanäle waren wahrscheinlich Abwasserrinnen. Brunnen sicherten die Trink- und Brauchwasserversorgung. Im Gegensatz zu den italienischen Gärten, bei denen die künstlerische Gestaltung im Vordergrund stand, scheinen deutsche Gärtner oft auch den wirtschaftlichen Nutzen der Beete im Blick gehabt zu haben. Dies zeigt sich auch in Friedrichsbühl, wo mehr von Ernteerträgen als von ornamentalen Broderien die Rede ist.

So wurden 1623 Zwiebelsamen gekauft. Der Gärtner Hans Hügel hatte laut seiner Bestallungsurkunde von 1609 den Garten mit guten Reben sowie einheimischen und ausländischen Bäumen wie Pomeranzen, Feigen und Lorbeer zu zieren und Küchenkräuter anzupflanzen. Alles Obst und Gemüse stand der Kurpfalz zu und wurde für die Hofhaltung verwendet oder verkauft.

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