Das Portal Friedrichsbühl
Das prächtige Renaissance-Portal von Schloss Friedrichsbühl ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse des einstigen Prachtbaus. Nach seiner ursprünglichen Funktion und einer späteren Verwendung als Kircheneingang in Bellheim befindet sich dieses bedeutende Architekturfragment heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.
Das Portal
Ein Meisterwerk der Renaissance-Architektur
Das Portal
Das wohl bedeutendste und bis heute in Fragmenten erhaltene Bauteil des Jagdschlosses Friedrichsbühl ist sein prächtiges Renaissanceportal. Dieses Portal, gefertigt aus gelbem Sandstein, hat heute noch eine Gesamthöhe von 4,34 Metern und eine Weite von 2,70 Metern. Es steht auf einem Sockel, der mit den typischen Verzierungen der Zeit und rautenförmigen Steinen geschmückt war. Geriffelte Pfeiler mit passendem Abschluss rahmten den Durchgang. Auch die abgeschrägte Kante des Rundbogens war kunstvoll mit dekorativen Elementen versehen.
Die genaue Datierung des Portals und seine ursprüngliche Anbringung am Schloss sind Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Der Kunsthistoriker Hans Rott datierte das Portal aufgrund stilistischer Merkmale wie der Steinmetzzeichen und des Beschlagwerks sowie einer von einem Architekturstudenten gelesenen, "sehr unleserlichen Jahreszahl 1599" in die Herrschaftszeit Kurfürst Friedrichs IV. (1583-1610). Auch auf einem der beiden Wappensteine, die ebenfalls vom Schloss stammen sollen und das pfälzische Wappen zeigen, will man die Jahreszahl 1591 gelesen haben. Dies würde bedeuten, dass das Portal und die Wappensteine nicht bei Abschluss der Hauptbauphase um 1560, sondern erst später angebracht wurden.
Eine naheliegende These besagt, dass das Portal möglicherweise nicht in eine Mauer eingebaut war, sondern frei vor einer Brücke über den Wassergraben stand, ähnlich wie bei den Schlössern von Neunkirchen und Ottweiler. Dies würde die repräsentative Wirkung des Portals zusätzlich unterstreichen.
Über dem Portal befand sich ursprünglich eine Tafel, vermutlich mit einer Inschrift und dem Wappen eines Kurfürsten und seiner Gemahlin. Von diesem oberen Abschluss sind nur noch flankierende Pilaster mit Beschlagwerkdekoration erhalten. Ein Foto aus dem Jahr 1870 zeigt das Portal als Eingang zur Kirche. Damals hatte es noch einen oberen Abschluss, wahrscheinlich einen Dreiecksgiebel mit einer Muschel. Eine ornamentierte Mittelkonsole trug einst eine plastische Halbfigur, die wohl den Steinmetzmeister darstellte, dessen Meisterschild mit Steinmetzzeichen noch an der Unterseite zu sehen ist.

Aufnahme um 1870: Eingang der Katholischen Kirche Bellheim
Fotograf J.F. Maurer, Quelle: Historisches Museum Speyer
Eine historische Odyssee
Vom Schloss zur Kirche zum Museum

Die Geschichte des Portals nach der Zerstörung des Schlosses ist bewegt. Es ist nicht eindeutig geklärt, wann genau es von seinem ursprünglichen Standort entfernt wurde. Eine am Innengewände eingeschlagene Jahreszahl "1777" sowie die Initialen "J.I.W." könnten darauf hindeuten, dass es zu diesem Zeitpunkt noch im Wald stand und Vandalismus ausgesetzt war.
Später, vermutlich im Zuge der Turmreparatur der Bellheimer Kirche um 1730 oder erst nach 1777, fand das Portal eine neue Verwendung als Haupteingang am Turm der katholischen Kirche in Bellheim. Ein Foto aus der Zeit zwischen 1868 und 1884 belegt diese Anbringung.
Beim Neubau der Kirche (Grundsteinlegung 1868) wurde das Portal jedoch wieder entfernt, da es stilistisch nicht mit der neugotischen Kreuzigungsgruppe über dem neuen Eingang harmonierte.
Die Einzelteile wurden im Pfarrhof gelagert. Im Jahr 1905 gelang es Friedrich Johann Hildenbrand, dem Konservator des Historischen Museums der Pfalz in Speyer, die Steinteile für das Museum zu sichern. Dort wurden sie an einer Wand im Innenhof wieder zu dem imposanten Portal zusammengefügt, das sie einst waren.
Digital rekonstruiert - lokal gefertigt
Replika des Portals Friedrichsbühl
Das originale Renaissance-Portal des Schlosses Friedrichsbühl ist das einzig erhaltene steinerne Zeugnis des einst prächtigen Jagdschlosses. Es befindet sich heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Um dieses bedeutende Kulturgut auch am Ursprungsort erlebbar zu machen, entstand in einem bislang einzigartigen Projekt eine Replik des Portals in Originalgröße – gefertigt aus Holz.
Mithilfe eines hochauflösenden 3D-Scans wurden alle Details des historischen Portals digital erfasst und präzise modelliert. Auf dieser Grundlage rekonstruierte eine Bellheimer Schreinerei das gesamte Portal mit modernster Frästechnik – aus Holz, maßstabsgetreu und ressourcenschonend. Die Replik steht heute in der Nähe des ehemaligen Schlossstandorts und vermittelt anschaulich die kunstvolle Gestaltung und architektonische Wirkung des Originals.
Das Projekt vereint historische Forschung, digitale Technologie und lokales Handwerk – und macht die Geschichte von Friedrichsbühl für Besucher wieder greifbar.







